ISBN-10: 383348361X
ISBN-13: 978-3833483615
Broschiert: 324 Seiten
Vorgestellt auf der LEIPZIGER BUCHMESSE 2008

PRESSETEXT WENDEZEIT
Ausgabe Nov./Dez. 2008 [PDF]

DER BÄR AM HIMMEL

Der Kleine, bzw. der Große Bär, ist wohl das bekannteste und am leichtesten zu erkennende Sternbild des nördlichen Nachthimmels. Auffallend ist, dass ganz unterschiedliche, weitgehend voneinander isolierte Kulturen die Konstellation mit einem Bären assoziierten.
Die Hindus bezeichnen dieses Sternbild als Rakh, was auf Sanskrit soviel wie „hell“ bedeutet. Nach der Hindu-Mythologie hält der Große Bär das Universum ständig in wirbelnder Bewegung, lässt die Jahreszeiten kommen und gehen, beschleunigt die Ernte und sorgt für Regen. Aber ebenso kann der Große Bär Trockenheit und Hunger bringen, denn er beherrscht ebenso die Winde und das Wetter. Als ein Vorläufer allen Lebens (*Herr des Lebens) auf Erden bewacht er auch den Durchgang eines neugeborenen Kindes aus dem Mutterschoß. Indem sie dem himmelswirbelnden Rakh imitieren, malen die Hindus rote Spiralen auf die Wände jener Häuser, in denen eine Geburt unmittelbar bevorsteht. Sie wollen damit sicherstellen, dass das Kind im Geburtskanal die richtige Richtung einnimmt. Das „Gebären“ eines Kindes und der englische Begriff „getting one´s bearing“ (sich orientieren) lässt sich etymologisch nicht von dem Großen Bären trennen. (*zusätzlich eigene Anmerkung)
Die meisten Geschichten erklären, wie der Bär in den Himmel kam, doch niemals bringen sie ihn auf die Erde zurück. In der Legende vom kleinen Bären am Himmel und den Menschen der westsibirischen Ostyaks verhält es sich jedoch anders.  Eine ihrer Geschichten sagt, dass der Bär ohne Mühe zwischen Himmel und Erde reisen könne, er sei einst durch die Vermählung von Sonne und Mond hervorgegangen. Und so begann sein Dasein als Himmelsmacht. Als sich der Vater des kleinen Bären auf der Jagd befand, schlich sich der kleine Bär aus dem Haus und erkundete seine Umgebung. Dabei passierte es. Nachdem er versehentlich einen Fuß durch den Himmelsboden gesteckt hatte, sah er für kurze Zeit die dort unten lebenden Menschen. Dieser Anblick weckte seine Neugier so sehr, dass er seinen Vater Numi-Torum überredete, ihm zu erlauben, die Menschen zu besuchen.
Daraufhin hob sein Vater den kleinen Bären in eine goldene Wiege und setzte ihn vorsichtig mithilfe einer silbernen Kette auf einer Honigblüte ab, die auf der Erde wuchs. Numi-Torum gab ihm genaue Verhaltensmaßregeln. Er müsse die Bösen bestrafen, die Guten belohnen und jedermann in der heiligen Bärenzeremonie unterweisen. Als die erste große Zeremonie vollbracht war, füllte der kleine Bär sein Traggestell mit Silber, und sein Vater zog ihn wieder in den Himmel hinauf, wo er seither wohnt.


QUELLENVERZEICHNIS:
Aus WAS IST WAS „Bären“ , Band 115 Tessloff Verlag
„Höhle und Handlung“ Tagungsmappe 2000 P. Hofmann
„Höhle und Wahrheit“ Tagungsmappe 2001 P. Hofmann
„Bären“ Orbis Verlag 2002
„Die faszinierende Welt der Bären“ Weltbild Verlag 2007
„108 …Antwort von X“ Books on Demand 2007